Eine Welt jenseits unserer Welt

Wie jeder Künstler versuchte H.P. Lovecraft (1890 – 1937) seinen Idolen nachzueifern und Werke zu erschaffen, die für andere das sein könnten, was jene seiner Vorbilder für ihn bedeuteten. Neben unter anderem Edgar Allan Poe (1809 – 1849) übten besonders die Geschichten des Lord Dunsany (1878 – 1957) einen starken Einfluss auf ihn aus.

Er versuchte sich den schwelgerischen phantastisch-traumhaften Stil des irischen Adeligen und erfolgreichen Schriftstellers anzueignen und begann so wie dieser die eigenen Träume als Grundlage für Ideen und Handlungen heranzuziehen. Und er eiferte ihm auch darin nach, indem er nach und nach ebenfalls eine wiederkehrende eigenständige Parallelwelt mit eigener Mythologie und Geschichte aufbaute – die Traumlande.

Der Traumlande-Zyklus

Unter dem Traumlande-Zyklus versteht man alle Geschichten von H.P. Lovecraft, die unmittelbar oder mittelbar mit den Traumlanden zu tun haben. Im weitesten Sinne werden auch jene Werke hinzugezählt, die lediglich durch Referenzen und Querverweise den Anschein erwecken, Teil dieser Welt bzw. mit ihr verbunden zu sein. Vom Autor selbst waren sie aber vermutlich nie als ein gemeinsames, zusammenhängendes Epos gedacht.

Den zentralen Kern des Zyklus bilden unumstritten folgende Geschichten:

„Polaris“ (1918)
„The White Ship“ (1919)
„The Doom That Came to Sarnath“ (1919)
„The Cats of Ulthar“ (1920)
„Celephaïs“ (1920)
„Ex Oblivione“ (1920)
„The Quest of Iranon“ (1921)
„The Other Gods“ (1921)
„What the Moon Brings“ (1922)
„The Dream-Quest of Unknown Kadath“ (1926)
„The Silver Key“ (1926)
„The Strange High House in the Mist“ (1926)
„Through the Gates of the Silver Key“ (1932)

Ein vollendeter Entwurf

H.P. Lovecraft wäre jedoch nicht einer der einflussreichsten und bedeutendsten Schriftsteller der Phantastik und anspruchsvollen Horrorliteratur, wenn er lediglich seine Vorbilder nachgeahmt und repliziert hätte.

Seine Geschichten trugen zunehmend eine eigene unverkennbare Handschrift und in der späteren Phase seines Schaffens gelang es ihm schließlich rückwirkend etwas vollkommen Eigenständiges und Neues daraus zu kreieren. Der Großteil seiner Werke ließ sich durch diese Einfälle zum Cthulhu-Mythos verbinden und verknüpfen, und es offenbarte sich in der Gesamtbetrachtung eindringlich der Entwurf einer ganzen – schrecklichen – kosmischen Weltordnung.

Dieser Entwurf verblieb zwar letztlich skizzenhaft und bruchstückhaft – doch auch dies sollte sich posthum für H.P. Lovecraft (der verarmt und im Glauben gescheitert zu sein verstarb) als Grundpfeiler seines späten Erfolgs herausstellen: Die Erweiterbarkeit und Anwendbarkeit dieses Entwurfs. Egal ob nun für Romane, Rollenspiele, Computerspiele – oder Filme.